Richel Group | Referenzen
Richel Group wurde 1964 gegründet und zählt zu den führenden europäischen Herstellern von Gewächshäusern mit Kunststoffeindeckung. Das Unternehmen entwickelt, produziert und realisiert komplette Gewächshaus- und Überdachungslösungen für Landwirtschaft, Bauwesen und Industrie.
Mit Projekten in zahlreichen internationalen Märkten verbindet Richel Engineering, Produktion und Anlagenbau. Damit steigen auch die Anforderungen an transparente Produktionsdaten, zuverlässige Abläufe und eine Planung, die den tatsächlichen Zustand der Fertigung berücksichtigt.
Projektziel: Produktion transparenter und besser steuerbar machen
2015 startete Richel am Produktionsstandort Eygalières ein umfassendes Produktivitätsprogramm. Bis dahin wurde die Fertigung vor allem über das ERP-System und von den Mitarbeitenden ausgefüllte Produktionsblätter verfolgt.
Richel wollte diese Abläufe digitalisieren und eine zuverlässige Grundlage für die operative Steuerung schaffen. Im Mittelpunkt standen drei Ziele:
- Echtzeit-Transparenz: Produktionsaktivitäten in zwölf Werksbereichen sollten zuverlässig und aktuell sichtbar werden.
- Schneller auf Abweichungen reagieren: Schwierigkeiten während der Ausführung von Fertigungsaufträgen sollten früher erkannt und ihre Auswirkungen besser bewertet werden können.
- Eine gemeinsame Managementgrundlage schaffen: Abteilungsleitung, Produktion und Logistik sollten auf belastbare Informationen zu Fortschritt und Performance zugreifen können.
Gleichzeitig sollte die Produktionsüberwachung später direkt mit der operativen Planung verbunden werden. Entscheidend war deshalb die automatische Kommunikation zwischen MES und Factory Scheduling.
Die implementierte Lösung
Richel entschied sich für eine Kombination aus MES und Factory Scheduling.
Das Projekt startete im Frühjahr 2016 zunächst mit der Digitalisierung der Produktionsaktivitäten. In der ersten Phase wurden die Aktivitäten von 80 Mitarbeitenden und 30 Maschinen in die Produktionsüberwachung eingebunden. Anschließend wurde die Lösung um Logistikprozesse und in einer weiteren Projektphase um die kapazitätsorientierte Produktionsplanung erweitert.
Produktionsinformationen direkt am Arbeitsplatz
Für die Bediener wurden MES-Funktionen auf bereits vorhandenen PCs bereitgestellt. Dadurch stehen Informationen zum laufenden Produktionsauftrag direkt am Arbeitsplatz zur Verfügung.
Das System erfasst außerdem, welche Mitarbeitenden einer laufenden Produktion zugeordnet sind. Die Daten fließen an die verantwortlichen Stellen zurück und bilden dort die Grundlage für Auswertungen und operative Entscheidungen.
Maschinenzustände und Stillstände transparent erfassen
Mit dem MES werden Beginn und Ende von Fertigungsaufträgen erfasst. Darüber hinaus können unterschiedliche Produktions- und Maschinenzustände entlang der einzelnen Fertigungsphasen dokumentiert werden.
Besonders relevant für die operative Steuerung ist die Erfassung von Stillstandsursachen. Mitarbeitende können außerdem Beginn und Ende von Wartungs- oder Störungseinsätzen dokumentieren.
Damit entsteht ein wesentlich genaueres Bild davon, was in der Fertigung tatsächlich passiert und warum Abweichungen entstehen.
Logistik und Rückverfolgbarkeit integrieren
Auch logistische Aktivitäten wurden in die digitale Produktionssteuerung einbezogen. Dazu gehören unter anderem vorbereitende und verladebezogene Prozesse.
Über Barcodes können Etiketten zurückverfolgt und entsprechende Informationen über die MES-Oberfläche erfasst werden. Mitarbeitende dokumentieren beispielsweise vorbereitete Positionen und geladene Packstücke.
Kapazitätsplanung mit Factory Scheduling
In der zweiten Projektphase wurde die Lösung um Factory Scheduling erweitert.
Damit kann Richel bei der operativen Planung unterschiedliche Produktionsrestriktionen berücksichtigen und vorhandene Ressourcen und Kapazitäten realistischer einplanen.
Die besondere Stärke liegt in der Verbindung beider Ebenen: Das MES liefert aktuelle Informationen aus der Fertigung, während Factory Scheduling diese operative Realität in der Produktionsplanung berücksichtigt.
Vorteile für Produktion und Planung
Mit der Digitalisierung der Produktionsdaten konnte Richel manuelle Erfassungsprozesse reduzieren und die Zuverlässigkeit der verfügbaren Informationen verbessern.
- Weniger manuelle Datenerfassung: Ein bisher am Schichtende ausgefülltes Produktionsblatt konnte entfallen.
- Zuverlässigere Produktionsdaten: Informationen werden direkt im Prozess erfasst und stehen für Auswertungen und Entscheidungen zur Verfügung.
- Mehr Zeit für wertschöpfende Aufgaben: Der geringere Erfassungsaufwand entlastet die Mitarbeitenden im Produktionsalltag.
- Bessere Transparenz über Maschinen: Zykluszeiten, Auslastung, Maschinenzustände und Stillstandsursachen werden systematischer sichtbar.
- Schnellere Reaktion auf Abweichungen: Probleme während der Fertigung lassen sich früher erkennen und gezielter bearbeiten.
- Realistischere Ressourcenplanung: Factory Scheduling berücksichtigt Kapazitäten und Produktionsrestriktionen bei der operativen Planung.
Im Rahmen des Produktivitätsprogramms arbeitete Richel außerdem gezielt an Zykluszeiten und Maschinenauslastung. Durch die verbesserte Datengrundlage konnten Zuverlässigkeit, Kapazität und Arbeitsgeschwindigkeit des Maschinenparks weiterentwickelt werden.
Planung und Ausführung enger miteinander verbinden
Der entscheidende Schritt bei Richel besteht nicht allein in der Digitalisierung einzelner Produktionsdaten. MES und Factory Scheduling verbinden die operative Planung mit dem tatsächlichen Geschehen am Shopfloor.
Factory Scheduling unterstützt Richel dabei, Ressourcen besser einzuplanen, zugesagte Liefertermine bei Kundenaufträgen stärker in der Planung zu berücksichtigen und den Servicelevel zu verbessern. Zusätzlich können Produktionsinformationen für die Analyse der Kosten fertiger Produkte genutzt werden.
Für Richel entsteht damit eine durchgängige Informationsbasis: vom Produktionsauftrag über Mitarbeitende, Maschinen und Logistik bis zur operativen Produktionsplanung.